Heimatverein Egestorf e.V.

 

Ausarbeitung von Dr. Phil. Rolf Lüer über den Heidepastor Wilhelm Bode zum Jubiläumsjahr 2010

 

Am 16. Oktober 1997 weihten die Egestorfer ein dem Heidepastor Wilhelm Bode gewidmetes Denkmal ein. Dieses nahm Dr. Phil. Rolf Lüer aus Egestorf zum Anlass, an das Wirken des rührigen Heidepastors zu erinnern.

Am 20. Oktober 2010 feiern wir den 150. Geburtstag Pastor Bodes. Diesen möchten wir zum Anlass nehmen, das Jahr 2010 zum Pastor-Bode-Jahr zu ernennen.

 

Den Wilseder Berg und den Totengrund gerettet

 

Wilhelm Wolfgang Dietrich Friedrich Bode wurde am 20. Oktober 1860 in Lüneburg geboren. Sein Vater, der Seminaroberlehrer Wilhelm Bode (1825-1900), lebte mit seiner zahlreichen Familie - das Ehepaar hatte elf Kinder - in den Räumen des alten Lüneburger Michaelisklosters. Die Mutter -Rosine Wilhelmine Kloppenburg (1836-1899) – die Tochter eines Tischlermeisters - stammte aus Hannover.
Wilhelm war der dritte Sohn, das vierte der Kinder. Die Kindheit in der frommen und konservativen Familie war sicher spartanisch, die Erziehung streng. Wilhelm Bode besuchte das Johanneum zu Lüneburg (Gymnasium) von Ostern 1871 bis zur Reifeprüfung im Februar 1880. Die Leistungen wurden in der Religion, in der deutschen Sprache, in der hebräischen Sprache und in Geschichte und Geographie sowie im Turnen mit „Recht gut", in Latein, Griechisch, Französisch, Englisch, Mathematik und Physik als „Befriedigend" bewertet.
Von seinem Vater zum Studium der Theologie bestimmt, wurde er im Sommersemester 1880 in Göttingen immatrikuliert. Er erhielt ein Stipendium. Bereits nach zwei Semestern wechselte der junge Student die Universität und setzte seine Studien in Straßburg fort; neben seinem eigentlichen Fach befasst er sich dort auch mit mittelalterlicher Geschichte und deutscher Literatur. In Straßburg wurde Bode Mitglied der Burschenschaft Alemannia.
Nach zwei Semestern in Straßburg kehrte er wieder nach Göttingen zurück und bestand dort 1883 sein erstes theologisches Examen mit der Note „Gut". Im Jahre 1884 nahm Bode in Dserwen in Kurland eine Hauslehrerstelle bei der Familie von Manteuffel an. Dort lernte er seine spätere Ehefrau, die russische Lehrerin Iraida Fadejew (geboren 18. September 1859 in Mitau, gestorben 08. Juni 1954), kennen.
Nachdem auch die zweite theologische Prüfung im Mai 1886 bestanden war, wurde Wilhelm Bode im selben Jahr in Stade ordiniert und schon am 15. August 1886 als Pastor in Egestorf, im damaligen Kreis Winsen, eingeführt. Sein Wirken in Egestorf ging bald weit über die vom Pfarramt des abgelegenen Heidedorfes gestellten Aufgaben hinaus. Allem Neuen gegenüber aufgeschlossen, förderte der junge Geistliche die Modernisierung der fünf kleinen Heidedörfer seines Pfarrbezirks.
Er war an der Gründung der Spar- und Darlehnskasse, bereits 18 Monate nach seiner Amtseinführung, beteiligt. Mit der Genossenschaftskasse wurde eine Viehversicherungskasse verbunden. Egestorf erhielt auf seine Veranlassung als eines der ersten Dörfer der Provinz Hannover eine vollständige zentrale Wasserversorgung. Die Gründung des einzigen genossenschaftlichen Krankenhauses Deutschlands in Salzhausen ging nicht ohne seine Mitwirkung. Bereits 25 Jahre bevor Egestorf an das Stromnetz angeschlossen wurde, setzte er sich für die Einführung elektrischer Energie ein, die durch die Heidebäche Aue, Luhe und Seeve gewonnen werden sollte, die zu diesem Zwecke von der Schuckertschen Firma untersucht wurden.
Der Bau der Kleinbahn Winsen-Egestorf, später bis Hützel weitergeführt, wurde von ihm entscheidend mitgefördert.
Von 1892 bis zum Ende der geistlichen Schulaufsicht 1918 war er auch Kreisschulinspektor. Daneben wurde die Betreuung seiner Pfarrgemeinde nicht vernachlässigt. Noch heute erzählen Familien in seiner Gemeinde von der Förderung, die sie durch ihren Pastor Bode erhalten haben. Kein Wunder, dass seine Biographie von einer großen Zahl von Anekdoten umrankt ist, die - mögen sie nun wahr sein oder nicht - das Bild einer vielseitigen, rastlos tätigen, starken und großen Persönlichkeit zeichnen.

 


 

 Weithin bekannt geworden ist Wilhelm Bode durch sein Wirken im Naturschutz. Schon früh erkannte er, nach eigenem Zeugnis angeregt durch seinen Vater, wahrscheinlich aber auch durch die 1904 erschienene Monographie Richard Lindes über die Lüneburger Heide, dass diese alte Kulturlandschaft durch die modernen Bewirtschaftungsmethoden und die Forstwirtschaft zu verschwinden drohte und dass diese Landschaft und besonders ihre markantesten Punkte, der Wilseder Berg und der Totengrund, bewahrt werden mussten. Schon 1906 konnte er mit Hilfe des Professors Andreas Thomsen aus Münster in Westfalen den Totengrund erwerben. Als 1909 in München der Verein Naturschutzpark gegründet wurde, gelang es, mit dessen Unterstützung auch den Wilseder Berg zu retten und dann in wenigen Jahren bis zum Ersten Weltkrieg die Grundlage für das erste großflächige deutsche Naturschutzgebiet zu schaffen. Die Naturschutzarbeit war kon-fliktträchtig. Die großen Grundbesitzer sahen ihre Rechte durch den Naturschutz beeinträchtigt.

Es gelangten auch Beschwerden über Bode an das Konsistorium: Von einem Verhältnis mit der Wirtin des Gasthofes „Zum Heidemuseum" in Wilsede und von gelegentlichem Alkoholmissbrauch war die Rede. Mit Sicherheit haben die Gegner des Naturschutzparks die Klagen, die über Bodes Lebenswandel an das Konsistorium in Hannover drangen, verschärft. „Wenn es dem Astpotheker (Meinecke) und Buchholz (in Döhle), die mich hassen, ... gelingt alles gegen mich mobil zu machen ... so ist klar, wie der Ausgang sein muss".

Am 5. März 1924 wurde der Egestorfer Pastor nach Abschluss eines Disziplinarverfahrens aus dem Pfarramt entlassen: „Der Angeschuldigte hat die Pflichten verletzt, die ihm sein kirchliches Amt auferlegt und durch sein Verhalten außer dem Amte sich der Achtung, des Ansehens und des Vertrauens, die sein Beruf erfordern, unwürdig gezeigt. Er wird dieserhalb mit Amtsenthebung bestraft", hieß es in dem Urteil. Eine vollständige Klärung der Angelegenheit ist heute nicht mehr möglich, da die Akten des Archivs der Landeskirche im Bombenkrieg 1943 verbrannt sind.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Pfarramt lebte Wilhelm Bode in Wilsede. Jetzt galt seine gan-ze Tätigkeit dem Naturschutzpark, der 1921 unter staatlichen Schutz gestellt wurde.
Als Bode, der „Heidepastor", wie er überall genannt wurde, am 10. Juni 1927 in Wilsede starb, ging die Nachricht durch viele der großen deutschen Zeitungen, seine Asche wurde auf dem Wilseder Berg verstreut.

Eine Charakteristik Bodes ist nicht einfach. Obwohl sein Amtssitz Egestorf weit von den Zentren des geistigen und politischen Lebens entfernt lag, obwohl die Verkehrsverbindungen dorthin mehr als dürftig waren, nahm Bode die Strömungen seiner Zeit mit feinen Antennen auf. Sicher trug dazu eine umfassende historische und sozialpolitische Lektüre bei. Zeitschriften gelangten ebenfalls ins Egestorfer Pfarrhaus. So war er gewiss mehr als die Amtsbrüder in seiner Umgebung von neuen Ideen beeinflusst. Es scheint, dass solche Ideen, sei es nun das Genossenschaftswesen, der soziale Fortschritt oder über viele Jahre seines Lebens der Naturschutz, ihn leicht begeistern konnten. Er war wohl häufig nicht der Urheber von Ideen, die er mit Leidenschaft verfocht. Seine Bega-bung, die große Durchsetzungskraft, befähigte ihn, das, was er aufgenommen hatte und was ihn begeisterte, zur Realität werden zu lassen. So war es im Naturschutz, als auch im Genossen-schaftswesen. Wahrscheinlich war seine Durchsetzungskraft auch mit einem Gefühl für Macht verbunden: An der Spitze stehen, die Richtung bestimmen, das wollte er. Seine Gegner oder auch nur diejenigen, die ihm so schnell, wie er vorwärts wollte, nicht folgen konnten, bekamen dann oft seinen Sarkasmus zu spüren, seine Freude an scharfen, oft verletzenden Formulierungen. Für ihn galt das Wort Thomas Manns, „der wahre Liebhaber des Wortes werde sich eher eine Welt ver-feinden, als eine Nuance opfern".

Während Bodes Wirken im Naturschutz unvergessen ist, kennen nur wenige sein Engagement im Genossenschaftswesen, dem er ein Jahrzehnt lang seine Kraft widmete und dem er bis zu seinem Weggang aus Egestorf verbunden blieb.

Schon im Juli 1885 hielt „Herr Schlüter, jun." in einer Versammlung des landwirtschaftlichen Ver-eins Jesteburg-Egestorf einen „durchdachten Vortrag über Raiffeisensche Darlehnskassen", wie es im Protokoll heißt. Zur Errichtung einer Kasse konnte man sich jedoch noch nicht entschließen. Das wurde zwei Jahre später anders. Nach einer neuen Diskussion über das Thema wurde beschlossen, Herrn Bürgermeister Raiffeisen zu Neuwied um Zusendung seiner Schriften „auf Kosten der Vereinskasse" zu bitten und den Wanderlehrer August Fricke (1848-1934) nach Egestorf einzuladen.

Der von der Königlichen Landwirtschaftsgesellschaft in Hannover zur Gründung von Genossen-schaften eingesetzte sogenannte Wanderlehrer Fricke hielt am 4. Januar 1888 vor der Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Vereins Jesteburg-Egestorf im Kruseschen Gasthaus in Egestorf einen Vortrag über ländliche Spar- und Darlehnskassen. Weil die Zuhörer „große Geneigtheit" zeigten, auch in Egestorf eine Spar- und Darlehnskasse zu gründen, nahm sich der seit 1886 in Egestorf als Pastor amtierende Wilhelm Bode „auf vielseitigen Wunsch" der Sache an und wurde zum Gründer des Egestorfer Spar- und Darlehnskassenvereins, wie die erste Firmenbezeichnung lautete. Die Egestorfer Spar- und Darlehnskasse, von Bode selbst als Vorsitzenden des Vorstandes und Rendant geleitet, entwickelte sich günstig.

 


 

Reisender in Sachen Genossenschaftswesen

 

Wilhelm Bodes Tätigkeit im Genossenschaftswesen blieb nicht auf den Egestorfer Spar- und Dar-lehnskassenverein beschränkt. Am 5. September 1889 nahm er in Hannover an der Gründung des Revisionsverbandes für die ländlichen Genossenschaften in der Provinz Hannover teil und wurde Mitglied des aus sechs Personen bestehenden Ausschusses zur Leitung des Verbandes. Bereits wenige Monate später, am 22. Januar 1890, zählte Pastor Bode zu den Gründern der genossen-schaftlichen Zentralkasse für die Provinz Hannover, der Landesgenossenschaftskasse e.G.m.b.H., in deren Aufsichtsrat er gewählt wurde. Er war Mitglied dieses Gremiums bis 1899.
Hinweise auf die überörtliche Tätigkeit Bodes im Genossenschaftswesen finden sich im Archiv der Superintendentur in Winsen. Am 23. Februar 1895 suchte der Pastor in Egestorf beim Superinten-denten um Urlaub nach, weil er am 27. Februar 1895 auf der Generalversammlung des Verbandes hannoverscher ländlicher Genossenschaften einen Vortrag zu halten hatte und sich von dort aus nach Mecklenburg begeben wollte, um „daselbst eine Reihe von Vorträgen über das Genossenschaftswesen zu halten", eine Vortragsreihe, welche am 28. Februar in Rostock beginnen und am 6. März in Teterow enden sollte. Der Urlaub wurde unter der Bedingung, dass im Notfalle für Vertretung gesorgt war, vom Superintendenten Ubbelohde in Pattensen bewilligt.

In Mecklenburg sprach Bode zuerst am 28. Februar 1895 vor dem „Patriotischen Verein" in Rostock, der einen „Sozialen Abend" veranstaltete. Nach einem Zeitungsbericht sagte Bode: „Seine Gemeinde Egestorf sei die kleinste im Lande und doch habe dieselbe seit der vor acht Jahren erfolgten Gründung der Genossenschaftskasse jetzt schon 120 000 Mark zusammengespart."
Über die folgenden Vorträge, im Tivoli in Rostock und in Teterow wird berichtet, der Redner „schilderte in beredten Worten die wirtschaftlichen und sittlichen Vorteile, welche die Spar- und Darlehnskassen überall, wo sie beständen", schon errungen hätten.

Am 11. Juni 1895 wurde erneut ein Urlaubsantrag für einen Vortrag „über Spar- und Darlehnskassen" vor dem Schleswig-Holsteinischen Generalverein in Kiel gestellt und genehmigt." Darüber berichtete der „Heider Anzeiger". Dieser am 12. Juni 1895 in Meldorf gehaltene Vortrag wurde als Flugschrift durch die Anwaltschaft des „Allgemeinen Verbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften" zu Offenbach am Main herausgegeben.
Bereits drei Monate später, am 17. August 1895, wurde der nächste Antrag auf Urlaub gestellt. Bode wollte zum Allgemeinen Vereinstag deutscher landwirtschaftlicher Genossenschaften in Neustadt an der Haardt reisen, er sollte dort die Landesgenossenschaftskasse zu Hannover ver-treten und einen Vortrag mit dem Titel „Mittel und Pflicht genossenschaftlicher Propaganda" halten. Im nächsten Jahr (1896) sprach Bode in Oldenburg und Posen.
Im September 1895 besuchte Wilhelm Bode den 28. Kongress für Innere Mission in Posen, in des-sen Rahmen eine Teilkonferenz über die „Genossenschaftsfrage" abgehalten würde. Dort kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Der auf der Teilkonferenz referierende Pfarrer Seil billigte nur der Raiffeisenschen Richtung des Genossenschaftswesens christlichen Ursprung zu. Das führte zu Protesten Bodes, der auch für die von ihm vertretene Offenbacher Richtung das Prädikat „raiffeisensch" - und damit christlich - reklamierte. Er wurde in der Versammlung von Geistlichen mit Worten wie „unwahr" und „Lüge" niedergeschrieen.

Ein Jahr später bat der Regierungspräsident in Schleswig Wilhelm Bode, in den größeren Städten der dortigen Provinz Vorträge „über die Bedeutung des Genossenschaftswesens für das Kleinge-werbe" zu halten. Die preußische Staatsregierung förderte damals die Gründung von Kreditgenos-senschaften, um den „schädlichen Einflüssen der Sozialdemokratie" entgegenzuwirken.
Bode beantragte Urlaub für die Zeit vom 24. August bis zum 2. September 1896 und sprach in Altona, Heide, Kiel, Flensburg und Friedrichstadt. Vorher hatte er in Berlin den Präsidenten der neugegründeten Preußischen Central-Genossenschaftskasse, von Huene, aufgesucht, um sich speziell über Handwerkerkreditgenossenschaften zu informieren.
Der Druck dieses Vortrages wurde später vom „Allgemeinen Verband der deutschen landwirthschaftlichen Genossenschaften" in Offenbach abgelehnt, weil das von ihm herausgegebene Blatt, die „Genossenschaftspresse", über ihr „Gebiet, die landwirtschaftlichen Genossenschaften" nicht wesentlich hinausgreifen wollte. Der Regierungspräsident in Schleswig wollte dann für einen Ab-druck in der Zeitschrift „Fürs deutsche Handwerk" sorgen. Dazu kam es nicht. Der Vortrag wurde unter dem Titel „Des Handwerks Noth und Hilfe" auf Kosten der preußischen Regierung in einer Auflage von 24 000 Stück an alle preußischen Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten verteilt. In der Schrift wurde weder Bode als Autor genannt noch die Unterstützung der preußischen Regierung publik gemacht. Das staatliche Interesse an den Genossenschaftsgründungen sollte geheim gehalten werden.

Der Regierungspräsident in Schleswig bedankte sich am 30. Juli 1897 mit einem Schreiben bei Bode: „Euer Hochehrwürden spreche ich ... für die vielfachen Bemühungen, denen Sie sich auch neuerdings wieder namentlich in Berlin im Interesse der Gründung von Handwerkergenossenschaften unterzogen haben, meinen Dank aus."

 


 

Außeramtliche Tätigkeit und Pfarramt vereinbar?

 

Bode war mit seinen Vorträgen vor Handwerkern über den von Raiffeisen geprägten ländlichen Genossenschaftssektor hinausgegangen und auch auf dem Gebiet des von Schulze-Delitzsch geformten gewerblichen Genossenschaftswesens tätig geworden.
Im August 1897 wurde Urlaub für eine Reise nach Dresden zur Teilnahme am Verbandstage der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften vom 24. bis zum 27. August erbeten und gewährt. Eine weitere Reise hat ihn, auch in Genossenschaftsangelegenheiten, nach Stettin geführt.
Über den Genossenschaftstag in Dresden berichtete Bode der Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Vereins Egestorf-Salzhausen am 20. September 1897: „Der Zusammenschluss zu einer ländlichen Genossenschaft ist eine Notwendigkeit, gemäß dem Grundsatz, dass die Kraft nur im geschlossenen Ganzen liegt. Der Referent gibt nun eine eingehende Obersicht über die ver-schiedenen Arten und Anzahl der genossenschaftlichen Verbindung, die sich im Laufe der Zeit gebildet haben, um gegen den Ring der Industriellen, die uns die Preise aufzwingen wollen, Front zu machen. Dem Einwurf, dass durch den genossenschaftlichen Bezug viele Händler geschädigt werden, ist entgegenzusetzen, dass der Verdienst kein so großer ist, und wäre er wirklich groß, so ist es politisch und sozial richtiger, vielen Bauern zu helfen als einem Händler . . .
In dieser Zeit wurde vom „Allgemeinen Verband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften" eine Schriftenreihe unter dem Titel „Deutsche landwirtschaftliche Ge-nossenschaftsbibliothek" herausgegeben. Autor der Nummern 1, 3 und 4 dieser Reihe war
„W. Bode, Pastor zu Egestorf und Vorsteher der Egestorfer Spar- und Darlehenskasse", wie es auf dem Titelblatt heißt. Die Schriften Nr. 1, „Die Pflicht und die Mittel zur Errichtung landwirtschaftli-cher Genossenschaften", Nr. 3, „Die Verhandlungen des 28. Kongresses für innere Mission in Posen über die Genossenschaftsfrage". Eine Erweiterung und Beurteilung des amtlichen Protokolls", und Nr. 4, „Die ländlichen Spar- und Darlehnskassen in gemeinschaftlicher Darstellung", konnten in Archiven und Bibliotheken wieder aufgefunden werden.
Der Titel der Nr. 3 weist darauf hin, wie eng die Bestrebungen zur Ausweitung des Genossen-schaftswesens mit den christlich-sozialen Ideen zur Inneren Mission zusammenhingen. Im Pfarrverein zu Hannover hielt Bode 1896 einen Vortrag mit dem Titel „Die ländliche Spar- und Darlehenskasse als Stück der inneren Mission. Dieser Vortrag, von dem der Leiter des Prüfungsverbandes, Peter Johannsen, eine christliche Ideologisierung des hannoverschen Genossenschafts-wesens befürchtete, war wohl einer der Anlässe zu den folgenden Auseinandersetzungen.
Im Jahre 1898 kam es zwischen dem schon genannten Wanderlehrer August Fricke und Pastor Bode zu Streitigkeiten. Fricke beschwerte sich über Bode beim Königlichen Konsistorium in Han-nover, der höchsten Kirchenbehörde der Provinz. Diese bat den Superintendenten Ubbelohde um Stellungnahme. Der konnte (oder wollte) zur Sache nichts sagen. Er schrieb, Bode, den er „nicht für fähig (halte), mit Bewusstsein die Unwahrheit zu sagen", müsse die Gelegenheit gegeben wer-den, sich zu der Beschwerde zu äußern. Zu der Frage der Kirchenbehörde, „ob die Tätigkeit des Pastor Bodes auf außeramtlichem Gebiete, insbesondere in dem Genossenschaftswesen, seinem Pfarramte Eintracht tut", antwortet der Superintendent Ubbelohde, es sei ihm erwünscht, dass Bode in letzter Zeit die mehrfachen weiten Reisen unterlassen habe, er habe auch dem Pastor seine Bedenken zu erkennen gegeben, „andererseits muss ich in dieser Beziehung hervorheben, dass eine Vernachlässigung des Pfarramtes und seiner Seelsorge dem Pastor Bode in keiner Weise vorzuwerfen ist". Der Ephorus bestätigte, dass er sich nach wie vor der geistlichen Bedürfnisse seiner Gemeinde wie auch der materiellen Hebung derselben treulich annimmt und mit selbstloser Energie oft eintritt, wo er mit Rat und Tat helfen kann".
Wie der Streit mit Fricke endete und welche Ursachen er hatte, ist aus den Akten nicht zu entnehmen.

 


 

Christlich und sozial wie die Innere Mission

 

Die überregionale Tätigkeit Bodes im Genossenschaftswesen endete 1898. Er verlor seine Ämter im Ausschuss des Verbandes und im Aufsichtsrat der Landesgenossenschaftskasse. Vielleicht hat er auch versucht, selbst an die Verbandsspitze zu gelangen, das ist nicht mehr aufklärbar.
Um die Jahrhundertwende begann Bode sich mit allen Kräften dem Naturschutz in der Lüneburger Heide zuzuwenden. Gleichwohl blieb er Rendant der Spar- und Darlehnskasse in Egestorf noch bis 1908 und deren Vorstandsvorsitzender bis 1924.
Im Kriegsjahr 1914 ist es anscheinend zu weiteren Einwendungen des Konsistoriums in Hannover gegen Bodes genossenschaftliches Engagement gekommen. In einem Brief an den Superintendenten vom 31. Dezember 1914 geht Bode noch einmal auf die nun bereits 26 Jahre zurückliegende Übernahme des Vorsitzes in der Egestorfer Spar- und Darlehnskasse ein, er habe seinerzeit den Superintendenten Parisius in Pattensen aufgesucht. Sie hätten beide einen ganzen Nachmittag in den Gesetzesvorschriften geforscht, schließlich habe der Superintendent gesagt, die Genehmigung der kirchlichen Behörde sei nicht erforderlich. Bode machte den Einwand, ob es nicht zweckmäßig sei, trotzdem zu fragen. Darauf sah der alte Parisius nach Bodes Schreiben diesen „mit seinen leuchtenden Augen so treu an" und sagte: „Lieber Bode, wir wollen die letzten Atome von Freiheit, die der geistliche Stand noch hat, nicht freventlich aufs Spiel setzen."

Was den Zeitaufwand betreffe, schrieb Bode ironisch, dieser sei ohne Belang. „Da ich mich viel mit Börsen- und Bankfragen technischer Art befasst habe, ist das Ganze sozusagen nur eine Spielerei keine Anstrengung; eine Erholung, kein Kraftaufwand."

Weiter hieß es in dem Brief, der derzeitige Generalsuperintendent habe gelegentlich einer Synode gesagt, er sei mit dieser Art sozialer Betätigung sehr einverstanden. Seine, Bodes, Auffassung der Sache gehe aus einer anliegenden Schrift hervor, die ihm „manches Wort der Anerkennung eingetragen habe".
Am 30. Januar 1915 erklärt das Königliche Konsistorium, gegen eine Mitarbeit im Vorstand der Spar- und Darlehnskasse, ein „an sich anerkennenswertes Unternehmen", beständen grundsätzlich keine Bedenken. Etwas kleinlich und ängstlich hieß es dann weiter, der Pastor Bode könne aber in eine schwierige Lage geraten, wenn die Kasse etwa in Zahlungsschwierigkeiten gerate und er für Verluste haftbar gemacht werde. Es sei deshalb zu erwägen, ob Bode nicht den Vorsitz niederlegen und nur einfaches Vorstandsmitglied bleiben solle.

Geistliche und Lehrer hatten bei der Gründung der Spar- und Darlehenskassen in der Provinz Hannover wie überall in Deutschland eine bedeutende Rolle gespielt. Es scheint aber, dass bereits im Jahr 1910 Behörden Einwendungen gegen die Tätigkeit der Pfarrer und Lehrer im Genossenschaftswesen erhoben haben. Ihnen wurde, wie es in einem Rundschreiben des Verbandes hannoverscher landwirtschaftlicher Genossenschaften vom 28. April 1910 heißt „die Mitwirkung bei den Spar- und Darlehnskassen häufig sehr erschwert, ja sogar unmöglich gemacht". Der Verband bat die angeschlossenen Genossenschaften um Einreichung von Material zu diesem Vorgehen der Behörden, damit er „an maßgeblicher Stelle vorstellig" werden könne.
Wilhelm Bode ist gewiss mit seinem Wirken für das Genossenschaftswesen an die Grenze dessen gegangen, was seine Kirchenbehörde als mit dem geistlichen Amte verträglich ansah. Er hat aber den Vorsitz der Spar- und Darlehnskasse erst 1924 niedergelegt, als er von der gleichen Kirchen-behörde aus dem Amte entlassen wurde.
Bodes weit über seine Region hinausreichendes Wirken für das ländliche Genossenschaftswesen wurde von ihm unter christlich-sozialen Aspekten als Werk der Inneren Mission gesehen.
Der Zusammenhang der genossenschaftlichen Ideen mit den sozialen Vorstellungen der zeitgenössischen Theologie sollte weiter untersucht werden.

 


 

Im Naturschutzpark wilde Tiere aussetzen

 

Nachdem im Jahre 1910 der Wilseder Berg durch Pastor Bode für den Verein Naturschutzpark erworben worden war, dehnte sich dessen Grundbesitz in der Lüneburger Heide, der den Naturschutzpark Lüneburger Heide bilden sollte, schnell aus. Im Jahr 1913 gehörten dem Verein nach dem Ankauf einer Reihe von Heidehöfen schon 3026 Hektar. Bei der ansässigen Bevölkerung rie-fen diese Ankäufe verbunden mit dem neuen Naturschutzgedanken Ängste hervor, die sich zum Widerstand gegen den Verein Naturschutzpark verdichteten. Einmal waren es Gerüchte, die die Menschen beunruhigten. So wurde immer wieder behauptet, der Verein Naturschutzpark wolle im Naturschutzpark wilde Tiere aussetzen.
„Damals konnte man sich im Volk unter Naturschutzpark nichts Richtiges vorstellen. Man dachte an einen großen Park, vielleicht mit vielen wilden Tieren oder gar Menschen aus den Urwäldern. Als der alte Bürgermeister Bremer, der auch das Spötteln und Witzeln über den Park nicht lassen konnte, einmal Pastor Bode traf, fragte er, ob der Naturpark bald fertig sei. Pastor Bode, nie um die richtige Antwort verlegen, gab ihm zurück:" Ja, Herr Bremer, der Naturpark ist fertig, und Sie sollen der erste Wilde sein, der dort ausgesetzt wird."
Die Befürchtungen der Bewohner des für den Naturschutzpark vorgesehenen Gebietes waren, ihre Existenzgrundlage zu verlieren.

Einblicke in die damals vorhandene Gedankenwelt bieten Dokumente, die über einen Streit zwischen zwei Pastoren, in dem es vor allem um den Naturschutz ging, vorhanden sind.
Der Landrat des Kreises Winsen, Fritz Ecker - er war gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Vereins Naturschutzpark -, schrieb am 7. Januar 1913 an den Superintendenten in Pattensen, ihm sei mitgeteilt worden, Pastor Ringelmann in Hanstedt habe sich kurz vor Weihnachten von der Kanzel herab in Andeutungen gegen den Verein Naturschutzpark gewandt.
„Abgesehen davon, dass es sich um ein gemeinnütziges Unternehmen handelt, dessen Ziele als dem öffentlichen Wohle dienend amtlich anerkannt sind, müsste eine offizielle Stellungnahme eines Seelsorgers gegen dieses Unternehmen dazu beitragen, die in der Gemeinde Hanstedt herr-schende Erregung gegen den Verein, die auf unwahre Ausstreuungen über seine Pläne zurückzuführen ist, noch weiter zu vermehren", schrieb der Landrat. Er könne sich zwar nicht denken, dass der Pastor Ringelmann so gegen den Naturschutz agitiere, aber es sei doch wohl eine Aufklärung der Sache erforderlich. Er bat den Superintendenten um Untersuchung und Mitteilung. Der Brief wurde mit dem Vermerk „Geheim" versehen.

Offensichtlich um eine Stellungnahme gebeten, schrieb Pastor Ringelmann aus Hanstedt dem Superintendenten, er habe keine Veranlassung, sich von der Kanzel herab gegen den Verein Naturschutzpark oder ohne Namensnennung gegen dessen Bestrebungen zu wenden.

Der Superintendent Rüppel schickte diese Stellungnahme des Hanstedter Geistlichen an den Landrat, bemerkte aber dazu, dass Pastor Ringelmann zwar nicht von der Kanzel herab, aber auf andere Weise gegen die Bestrebungen des Vereins Naturschutzpark und in Zusammenhang damit gegen Pastor Bode zu Egestorf stark agitiert habe. Das beweise eine an das Königliche Konsistorium gerichtete Beschwerde des Kirchenvorstandes Hanstedt-Undeloh mit dem Titel „Beunruhigung durch den Geschäftsführer des Vereins Naturschutzpark". Er werde jetzt Pastor Bode auffordern, zu den gegen ihn erhobenen Beschuldigungen Stellung zu nehmen.

 


 

"Der schlechteste Kerl kann ein Pastor sein"

 

Landrat Ecker schrieb dem Superintendenten in einem neuen Brief am 1. Februar 1913, die Be-hauptungen, Pastor Ringelmann habe die Bestrebungen des Vereins Naturschutzpark auf der Kanzel zum Gegenstand seiner Erörterungen gemacht, träten so bestimmt auf, dass er um weitere Untersuchung bitte. Außerdem solle Ringelmann in Undeloh gegen den Verein Naturschutzpark und Pastor Bode gepredigt haben. Es sei von „Schleichern, die den Leuten ihre Grundstücke abschwatzen und die man hinauswerfen müsse", die Rede gewesen, und außerhalb der Kanzel solle das Wort gefallen sein, „der schlechteste Kerl im Kreise kann auch ein Pastor sein". Als Zeugen benannte Ecker die Gemeindevorsteher von Wesel und Undeloh, Rademacher und Bade, sowie Peper aus Ollsen."
Inzwischen hatte der Superintendent am 23. Januar an Pastor Bode einen Katalog von neun Fragen geschickt, die dieser bis zum 1. Februar beantworten sollte. Bode schickte den Fragebogen am 31. Januar 1913 an seinen Ephorus zurück. Bei der ersten Frage ging es darum, ob Bode Geschäftsführer des Vereins Naturschutzpark sei. „Nein", antwortete dieser, „die Geschäftsführer wohnen in Stuttgart bzw. Eschenau". Er sei lediglich der Vertrauensmann des Vereins in der Lüneburger Heide.
„Welche Bezüge erhalten Sie für Ihre Tätigkeit?" lautete die zweite Frage. Bode konnte antworten, er bekomme keinerlei Vergütung, im Gegenteil, er bezahle sogar Porto und Reisen aus eigener Tasche und habe „für die große gute Sache" bereits rund 5000 Mark geopfert. Auch Vortragshono-rare und Vergütungen für Aufsätze und Artikel flössen dem Verein, nicht ihm zu.

Dann ging es um Undeloh. Am 3. Mai 1911 hatte die Agrarkommission des Preußischen Abgeordnetenhauses die Heide besucht, um zu prüfen, ob diese Landschaft für einen Naturschutzpark geeignet sei. Die dritte Frage ging der Vermutung nach, Bode habe den 14 Abgeordneten gegen-über herabsetzende Äußerungen über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeinde Undeloh gemacht. Dazu der Pastor, er habe nur gesagt, was jeder mit eigenen Augen sehen könne, nämlich „dass des Menschen Schweiß und Arbeit in Undeloh nur einen kärglichen Lohn fände".

Auch auf der Vereinstagung in Bremen sollte Bode sich mit den wirtschaftlichen Verhältnissen Un-delohs befasst haben. Aus Undeloh sei eine größere Zahl von Stellen dem Verein angeboten worden, was den Besitzern niemand verdenken könne, weil man dort, wo dürftige Ackerverhältnisse, schlechtere Kommunikationsverhältnisse und Dienstbotennot sich paarten, niemand auch mit größtem Fleiß auf die Sonnenseite des Lebens kommen könne.
Dann wurde ein anderes Thema angeschnitten. In der nächsten, der fünften Frage fragte der Su-perintendent, ob Bode Besitzer oder Mitbesitzer einer Gaststätte in Wilsede sei. Diese Frage wurde mit Ja beantwortet, denn ihm gehöre der mit dem Heidemuseum verbundene und zu Erhaltung desselben eingerichtete Gasthof zusammen mit einem Universitätsprofessor aus Münster und ei-nem Lehrer in Wilhelmsburg. Ein Gewinn sei jedoch laut Konzessionsurkunde für die Besitzer aus-geschlossen, auch hier habe er jährlich Kosten von 400 bis 600 Mark. „Aber einer solchen Sache bringt man dies Opfer gern."
Mit der nächsten Frage wurden wieder die Undeloher Verhältnisse angeschnitten. Es ging darum, ob Bode herabsetzende Bemerkungen über die Undeloher Einwohner gemacht habe. Diese Be-hauptung wurde in der Antwort „mit Empörung" zurückgewiesen.
Ob Bodes oft sarkastische Redeweise nicht doch gelegentlich verletzend wirkte? Immerhin hatte er am 22. Januar 1903 an den Winsener Landrat über Undeloh und seine Bewohner geschrieben: „Undeloh ist ein hochkonservativer Ort. Kommt man morgens hierdurch, so schlafen die Leute. Kommt man abends hierdurch, so schlafen sie auch. Und kommt man mittags hierdurch, so tun sie meistens dasselbe. . .
Unter Punkt 7 verlangte der Superintendent Auskunft zu dem Vorwurf, durch Anwendung von Alkohol, durch falsche Zukunftsbilder und durch Geltendmachung des geistlichen Amtes seien Glie-der der Kirchengemeinde Hanstedt-Undeloh zum Verkaufe ihrer Höfe und Grundstücke gebracht worden.
„Bei diesen Anwürfen hört alles auf. Bin ich denn eigentlich vogelfrei? Von christlicher und brüder-licher Gesinnung will ich ganz schweigen. Aber gibt es denn kein bürgerliches Recht mehr, das mich schützt? Alle nebenstehenden Unterstellungen schlagen der Wahrheit direkt ins Gesicht!" antwortet der Egestorfer Pastor. Zu den relativ geringen Ankäufen in Hanstedt und Undeloh sei der Verein mit der Drohung, dass die Grundstücke sonst in Hamburger Hände übergingen, geradezu gedrängt worden. Alkohol sei bei den Käufen nie getrunken worden.
In diesem Zusammenhang wurde weiter gefragt, ob der Verein Naturschutzpark erklärt habe, dass er nur angebotene Grundstücke kaufen wolle. Ob das so sei, konnte Bode nicht beantworten, aber bisher sei so verfahren worden. Im übrigem seien viel mehr Grundstücke angeboten worden, als dem Verein Mittel zum Ankauf zur Verfügung stünden.
Weiter geht es mit der letzten Frage, ob Bode sich in die kirchlichen Gemeindeverhältnisse einge-mischt habe. Auch das wies der Pastor zurück.

 


 

1924 nach viel Streit seines Amtes enthoben

 

Pastor Bode führte aus, er habe mit Pastor Ringelmann in Frieden auszukommen versucht. Dies sei aber unmöglich gewesen. Der Hanstedter Pastor habe in verschiedenen Eingaben die Unwahrheit über Bode gesagt, und bei restloser Widerlegung sei nie ein Wort der Entschuldigung gefallen.
Bode wörtlich: „Sonst beweist doch der Kläger dem Angeklagten seine Schuld. Das ist Rechtens! Hier muss ich, der Angeschuldigte, meine Unschuld nachweisen. Das ist nirgends Landbrauch. - Ich habe meine Freizeit, meine Mittel in den Dienst großer, gemeinnütziger Gedanken gestellt. War das Unrecht? Ich bitte um den Schutz meiner Behörde."
Der Streit scheint in den folgenden Monaten weitergegangen und sogar eskaliert zu sein. In seinem Brief vom 23. Juli 1913 erhebt Wilhelm Bode schwere Vorwürfe gegen den Pastor aus dem benachbarten Hanstedt. Ringelmann, der alles, was er -Bode - getan habe, „heruntermachte und von der Kanzel aus begeiferte, statt Gottes Wort zu predigen", verwüste das kirchliche Leben in Hanstedt, das könne man am zurückgegangenen Kirchenbesuch trotz gewachsener Seelenzahl erkennen. Als Ringelmann sich um die Pfarre in Stelle beworben habe, gab nach Bodes Schreiben der Gemeindevorsteher Dittmer die Parole aus: „So, nun müssen wir ihn aber über alle Maßen loben, sonst werden wir ihn nie wieder los!" Bode weiter: „Und der Mann richtet, verdammt, sucht eine ganze Familie ins Unglück zu bringen, verhetzt die Gemeinde unter Hintansetzung jeder Wahrheit. Es ist herzbrechend."
Eine Woche später besuchte dann der Generalsuperintendent die Kirchengemeinde Hanstedt. Jetzt bedauerte der Kirchenvorstand die gegen Pastor Bode am 13. Januar 1913 erhobenen schweren persönlichen Anschuldigungen, er nahm sie zurück und ersuchte den Generalsuperintendenten, dem Egestorfer Pastor, zu übermitteln, dass der Kirchenvorstand sie ihm abbitte.
Trotzdem erklärten die Kirchenvorsteher, dass sie es aufs Ttiefste bedauerten, dass Bode sich mit den Angelegenheiten des Naturschutzparks und dem Grundstückserwerb befasse. Unter Umstän-den werde unter Mithilfe des Geistlichen ein Teil der Undeloher Höfe verkauft, dann könne der Rest der Bewohner der Ortschaft sich nicht halten.
Außerdem befürchteten die Kirchenvorsteher, durch den Naturschutzpark würden immer mehr großstädtische Besucher nach Undeloh gezogen, die alle Sonntagsstille raubten und eine Gefahr für die Jugend darstellten. Wegen des Gasthofes in Wilsede ließen sie sich zwar durch die Vorlage von Urkunden überzeugen, dass der Pastor Bode hier keine eigennützigen Zwecke verfolge, hielten es aber nicht für richtig, dass ein Geistlicher sich so in weltliche Geschäfte verflechten lasse. Schließlich klagten sie noch über Bodes Anmerkungen über die Rückständigkeit der Undeloher. Der Generalsuperintendent wies jedoch darauf hin, auch wenn Bode den Grund und Boden be-dürftig genannt habe, so habe er sicher nicht „den von ihm hochgeschätzten Heidebewohnern Zu-rückgebliebenheit vorwerfen wollen".
Der Generalsuperintendent versprach, Bode zur Vorsicht in seinen Äußerungen zu ermahnen. Ebenso wie der Kirchenvorstand nahm auch Pastor Ringelmann die in seinen Berichten
ausgesprochenen persönlichen Beleidigungen und Anklagen zurück und tat Abbitte.

Ein Kirchenvorsteher erklärte noch, er sei bei der Sitzung vom 13. Januar 1913 nicht anwesend gewesen und habe deswegen auch nichts abzubitten.
Am selben Tage fand noch eine Unterredung zwischen dem Generalsuperintendenten und den beiden Geistlichen in Nindorf statt. Bode erklärte sich durch die Abbitte zufrieden gestellt. Er bemerkte noch, er sei immer ein Gegner von Enteignungen durch den Naturschutzpark gewesen und wolle für seine Person vermeiden, bei Hanstedter und Undeloher Gemeindegliedern auf den Ver-kauf hinzuwirken. Weiter wolle er seinen Anteil an der Gastwirtschaft zum Heidemuseum aufge-ben. Es liege ihm auch fern, die Heidebewohner, insbesondere die Undeloher, gering zu schätzen. Die lästige Überflutung durch Großstädter werde auch ohne den Naturschutzpark eintreten. Diese Auffassung teilte auch Pastor Ringelmann.

Schließlich gab der Generalsuperintendent noch seiner Überzeugung Ausdruck, die Erregung der Kirchenvorsteher sei spontan und nicht von Pastor Ringelmann in die Leute hineingetragen worden. Er bat die beiden Amtsbrüder herzlich, nachdem abgebeten und verziehen sei, keine bittere Wurzel in ihren Herzen zu lassen. Beide erklärten sich willig.
Aus diesem Streit wird ersichtlich, auf welchen Widerstand der Plan für einen Naturschutzpark stieß. Dem Verein Naturschutzpark war durch eine Verordnung Kaiser Wilhelms II. als König von Preußen am 5. August 1912 ein so genanntes Enteignungsrecht zugestanden worden, in dem der Verein auf gewissen Gebietsteilen des vorgesehenen Naturschutzparks das Eigentum „in Ansehung des Bauens und der Ausübung der Jagd" beschränken konnte.
An der Spitze der Protestbewegung stand der Winsener Apotheker Dr. Theodor Meinecke, der um Ollsen herum - also im Bereich der Kirchengemeinde Hanstedt-Undeloh - zirka 2000 Morgen Heideland zur Aufforstung erworben hatte und dadurch in Konflikt mit den Naturschutzbestrebungen zur Erhaltung der Heide geriet. Wenige Monate vor dem Streit der Pastoren hatte er an den Preußischen Minister des Inneren und an den Landwirtschaftsminister eine Eingabe gerichtet, mit der er gegen das Naturschutzvorhaben protestierte. Sein Protest war auch in den „Winsener Nachrichten" veröffentlicht worden.

Auch in der Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Vereins Salzhausen-Egestorf ging es am 17. Januar 1913 - also nur wenige Tage nach der Sitzung des Hanstedter Kirchenvorstandes - um das Enteignungsrecht des Vereins Naturschutzpark: „Redner Witthöft verbreitet sich über die Verordnung, das Eigentum in Ansehung der Ausübung der Jagd zu beschränken. Dadurch würden nicht nur die einzelnen Besitzer schwer geschädigt, sondern auch wertvolle an den Rändern gelegene Äcker u. Wiesen wieder in Unkultur zurückgeführt werden. Es ist daher unsere Pflicht, gegen die Ausführung dieser Verordnung sowohl im Interesse des Einzelnen als auch der Allgemeinheit zu opponieren. Aus den Ausführungen anderer Redner, die in der Sache das Wort erbaten, klang heraus: Es ist zu bedauern, dass einem großen nationalen Werke, das den Zweck hat, unser liebes Lüneburger Land an einer Stelle in seiner Eigenart und Ursprünglichkeit den kommenden Ge-schlechtern zu erhalten, durch solche Maßregeln, die wohl im Übereifer getroffen sein dürften, das Herz des Volkes entfremdet wird."
Es wird in den Dokumenten auch sichtbar, wie die außeramtliche Tätigkeit Pastor Bodes im Natur-schutzpark wie vorher und später im Genossenschaftswesen ihn Angriffen aussetzte, die gewiss nicht ohne seine eigene Schuld 1924 zu seiner Amtsenthebung führten.

 

DR. PHIL. ROLF LÜER: Heidepastor Wilhelm Bode

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