Heimatverein Egestorf e.V.

 

"Der schlechteste Kerl kann ein Pastor sein"

 

Landrat Ecker schrieb dem Superintendenten in einem neuen Brief am 1. Februar 1913, die Be-hauptungen, Pastor Ringelmann habe die Bestrebungen des Vereins Naturschutzpark auf der Kanzel zum Gegenstand seiner Erörterungen gemacht, träten so bestimmt auf, dass er um weitere Untersuchung bitte. Außerdem solle Ringelmann in Undeloh gegen den Verein Naturschutzpark und Pastor Bode gepredigt haben. Es sei von „Schleichern, die den Leuten ihre Grundstücke abschwatzen und die man hinauswerfen müsse", die Rede gewesen, und außerhalb der Kanzel solle das Wort gefallen sein, „der schlechteste Kerl im Kreise kann auch ein Pastor sein". Als Zeugen benannte Ecker die Gemeindevorsteher von Wesel und Undeloh, Rademacher und Bade, sowie Peper aus Ollsen."
Inzwischen hatte der Superintendent am 23. Januar an Pastor Bode einen Katalog von neun Fragen geschickt, die dieser bis zum 1. Februar beantworten sollte. Bode schickte den Fragebogen am 31. Januar 1913 an seinen Ephorus zurück. Bei der ersten Frage ging es darum, ob Bode Geschäftsführer des Vereins Naturschutzpark sei. „Nein", antwortete dieser, „die Geschäftsführer wohnen in Stuttgart bzw. Eschenau". Er sei lediglich der Vertrauensmann des Vereins in der Lüneburger Heide.
„Welche Bezüge erhalten Sie für Ihre Tätigkeit?" lautete die zweite Frage. Bode konnte antworten, er bekomme keinerlei Vergütung, im Gegenteil, er bezahle sogar Porto und Reisen aus eigener Tasche und habe „für die große gute Sache" bereits rund 5000 Mark geopfert. Auch Vortragshono-rare und Vergütungen für Aufsätze und Artikel flössen dem Verein, nicht ihm zu.

Dann ging es um Undeloh. Am 3. Mai 1911 hatte die Agrarkommission des Preußischen Abgeordnetenhauses die Heide besucht, um zu prüfen, ob diese Landschaft für einen Naturschutzpark geeignet sei. Die dritte Frage ging der Vermutung nach, Bode habe den 14 Abgeordneten gegen-über herabsetzende Äußerungen über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeinde Undeloh gemacht. Dazu der Pastor, er habe nur gesagt, was jeder mit eigenen Augen sehen könne, nämlich „dass des Menschen Schweiß und Arbeit in Undeloh nur einen kärglichen Lohn fände".

Auch auf der Vereinstagung in Bremen sollte Bode sich mit den wirtschaftlichen Verhältnissen Un-delohs befasst haben. Aus Undeloh sei eine größere Zahl von Stellen dem Verein angeboten worden, was den Besitzern niemand verdenken könne, weil man dort, wo dürftige Ackerverhältnisse, schlechtere Kommunikationsverhältnisse und Dienstbotennot sich paarten, niemand auch mit größtem Fleiß auf die Sonnenseite des Lebens kommen könne.
Dann wurde ein anderes Thema angeschnitten. In der nächsten, der fünften Frage fragte der Su-perintendent, ob Bode Besitzer oder Mitbesitzer einer Gaststätte in Wilsede sei. Diese Frage wurde mit Ja beantwortet, denn ihm gehöre der mit dem Heidemuseum verbundene und zu Erhaltung desselben eingerichtete Gasthof zusammen mit einem Universitätsprofessor aus Münster und ei-nem Lehrer in Wilhelmsburg. Ein Gewinn sei jedoch laut Konzessionsurkunde für die Besitzer aus-geschlossen, auch hier habe er jährlich Kosten von 400 bis 600 Mark. „Aber einer solchen Sache bringt man dies Opfer gern."
Mit der nächsten Frage wurden wieder die Undeloher Verhältnisse angeschnitten. Es ging darum, ob Bode herabsetzende Bemerkungen über die Undeloher Einwohner gemacht habe. Diese Be-hauptung wurde in der Antwort „mit Empörung" zurückgewiesen.
Ob Bodes oft sarkastische Redeweise nicht doch gelegentlich verletzend wirkte? Immerhin hatte er am 22. Januar 1903 an den Winsener Landrat über Undeloh und seine Bewohner geschrieben: „Undeloh ist ein hochkonservativer Ort. Kommt man morgens hierdurch, so schlafen die Leute. Kommt man abends hierdurch, so schlafen sie auch. Und kommt man mittags hierdurch, so tun sie meistens dasselbe. . .
Unter Punkt 7 verlangte der Superintendent Auskunft zu dem Vorwurf, durch Anwendung von Alkohol, durch falsche Zukunftsbilder und durch Geltendmachung des geistlichen Amtes seien Glie-der der Kirchengemeinde Hanstedt-Undeloh zum Verkaufe ihrer Höfe und Grundstücke gebracht worden.
„Bei diesen Anwürfen hört alles auf. Bin ich denn eigentlich vogelfrei? Von christlicher und brüder-licher Gesinnung will ich ganz schweigen. Aber gibt es denn kein bürgerliches Recht mehr, das mich schützt? Alle nebenstehenden Unterstellungen schlagen der Wahrheit direkt ins Gesicht!" antwortet der Egestorfer Pastor. Zu den relativ geringen Ankäufen in Hanstedt und Undeloh sei der Verein mit der Drohung, dass die Grundstücke sonst in Hamburger Hände übergingen, geradezu gedrängt worden. Alkohol sei bei den Käufen nie getrunken worden.
In diesem Zusammenhang wurde weiter gefragt, ob der Verein Naturschutzpark erklärt habe, dass er nur angebotene Grundstücke kaufen wolle. Ob das so sei, konnte Bode nicht beantworten, aber bisher sei so verfahren worden. Im übrigem seien viel mehr Grundstücke angeboten worden, als dem Verein Mittel zum Ankauf zur Verfügung stünden.
Weiter geht es mit der letzten Frage, ob Bode sich in die kirchlichen Gemeindeverhältnisse einge-mischt habe. Auch das wies der Pastor zurück.

 

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