Heimatverein Egestorf e.V.

 

Im Naturschutzpark wilde Tiere aussetzen

 

Nachdem im Jahre 1910 der Wilseder Berg durch Pastor Bode für den Verein Naturschutzpark erworben worden war, dehnte sich dessen Grundbesitz in der Lüneburger Heide, der den Naturschutzpark Lüneburger Heide bilden sollte, schnell aus. Im Jahr 1913 gehörten dem Verein nach dem Ankauf einer Reihe von Heidehöfen schon 3026 Hektar. Bei der ansässigen Bevölkerung rie-fen diese Ankäufe verbunden mit dem neuen Naturschutzgedanken Ängste hervor, die sich zum Widerstand gegen den Verein Naturschutzpark verdichteten. Einmal waren es Gerüchte, die die Menschen beunruhigten. So wurde immer wieder behauptet, der Verein Naturschutzpark wolle im Naturschutzpark wilde Tiere aussetzen.
„Damals konnte man sich im Volk unter Naturschutzpark nichts Richtiges vorstellen. Man dachte an einen großen Park, vielleicht mit vielen wilden Tieren oder gar Menschen aus den Urwäldern. Als der alte Bürgermeister Bremer, der auch das Spötteln und Witzeln über den Park nicht lassen konnte, einmal Pastor Bode traf, fragte er, ob der Naturpark bald fertig sei. Pastor Bode, nie um die richtige Antwort verlegen, gab ihm zurück:" Ja, Herr Bremer, der Naturpark ist fertig, und Sie sollen der erste Wilde sein, der dort ausgesetzt wird."
Die Befürchtungen der Bewohner des für den Naturschutzpark vorgesehenen Gebietes waren, ihre Existenzgrundlage zu verlieren.

Einblicke in die damals vorhandene Gedankenwelt bieten Dokumente, die über einen Streit zwischen zwei Pastoren, in dem es vor allem um den Naturschutz ging, vorhanden sind.
Der Landrat des Kreises Winsen, Fritz Ecker - er war gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Vereins Naturschutzpark -, schrieb am 7. Januar 1913 an den Superintendenten in Pattensen, ihm sei mitgeteilt worden, Pastor Ringelmann in Hanstedt habe sich kurz vor Weihnachten von der Kanzel herab in Andeutungen gegen den Verein Naturschutzpark gewandt.
„Abgesehen davon, dass es sich um ein gemeinnütziges Unternehmen handelt, dessen Ziele als dem öffentlichen Wohle dienend amtlich anerkannt sind, müsste eine offizielle Stellungnahme eines Seelsorgers gegen dieses Unternehmen dazu beitragen, die in der Gemeinde Hanstedt herr-schende Erregung gegen den Verein, die auf unwahre Ausstreuungen über seine Pläne zurückzuführen ist, noch weiter zu vermehren", schrieb der Landrat. Er könne sich zwar nicht denken, dass der Pastor Ringelmann so gegen den Naturschutz agitiere, aber es sei doch wohl eine Aufklärung der Sache erforderlich. Er bat den Superintendenten um Untersuchung und Mitteilung. Der Brief wurde mit dem Vermerk „Geheim" versehen.

Offensichtlich um eine Stellungnahme gebeten, schrieb Pastor Ringelmann aus Hanstedt dem Superintendenten, er habe keine Veranlassung, sich von der Kanzel herab gegen den Verein Naturschutzpark oder ohne Namensnennung gegen dessen Bestrebungen zu wenden.

Der Superintendent Rüppel schickte diese Stellungnahme des Hanstedter Geistlichen an den Landrat, bemerkte aber dazu, dass Pastor Ringelmann zwar nicht von der Kanzel herab, aber auf andere Weise gegen die Bestrebungen des Vereins Naturschutzpark und in Zusammenhang damit gegen Pastor Bode zu Egestorf stark agitiert habe. Das beweise eine an das Königliche Konsistorium gerichtete Beschwerde des Kirchenvorstandes Hanstedt-Undeloh mit dem Titel „Beunruhigung durch den Geschäftsführer des Vereins Naturschutzpark". Er werde jetzt Pastor Bode auffordern, zu den gegen ihn erhobenen Beschuldigungen Stellung zu nehmen.

 

EDV-gestützter Abruf von Inventar- und Archivgut 

 

Die Bestände der Gemeinde Egestorf und des Heimatvereins wurden in einer umfangreichen Datenbank erfasst.


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