Heimatverein Egestorf e.V.

 

Reisender in Sachen Genossenschaftswesen

 

Wilhelm Bodes Tätigkeit im Genossenschaftswesen blieb nicht auf den Egestorfer Spar- und Dar-lehnskassenverein beschränkt. Am 5. September 1889 nahm er in Hannover an der Gründung des Revisionsverbandes für die ländlichen Genossenschaften in der Provinz Hannover teil und wurde Mitglied des aus sechs Personen bestehenden Ausschusses zur Leitung des Verbandes. Bereits wenige Monate später, am 22. Januar 1890, zählte Pastor Bode zu den Gründern der genossen-schaftlichen Zentralkasse für die Provinz Hannover, der Landesgenossenschaftskasse e.G.m.b.H., in deren Aufsichtsrat er gewählt wurde. Er war Mitglied dieses Gremiums bis 1899.
Hinweise auf die überörtliche Tätigkeit Bodes im Genossenschaftswesen finden sich im Archiv der Superintendentur in Winsen. Am 23. Februar 1895 suchte der Pastor in Egestorf beim Superinten-denten um Urlaub nach, weil er am 27. Februar 1895 auf der Generalversammlung des Verbandes hannoverscher ländlicher Genossenschaften einen Vortrag zu halten hatte und sich von dort aus nach Mecklenburg begeben wollte, um „daselbst eine Reihe von Vorträgen über das Genossenschaftswesen zu halten", eine Vortragsreihe, welche am 28. Februar in Rostock beginnen und am 6. März in Teterow enden sollte. Der Urlaub wurde unter der Bedingung, dass im Notfalle für Vertretung gesorgt war, vom Superintendenten Ubbelohde in Pattensen bewilligt.

In Mecklenburg sprach Bode zuerst am 28. Februar 1895 vor dem „Patriotischen Verein" in Rostock, der einen „Sozialen Abend" veranstaltete. Nach einem Zeitungsbericht sagte Bode: „Seine Gemeinde Egestorf sei die kleinste im Lande und doch habe dieselbe seit der vor acht Jahren erfolgten Gründung der Genossenschaftskasse jetzt schon 120 000 Mark zusammengespart."
Über die folgenden Vorträge, im Tivoli in Rostock und in Teterow wird berichtet, der Redner „schilderte in beredten Worten die wirtschaftlichen und sittlichen Vorteile, welche die Spar- und Darlehnskassen überall, wo sie beständen", schon errungen hätten.

Am 11. Juni 1895 wurde erneut ein Urlaubsantrag für einen Vortrag „über Spar- und Darlehnskassen" vor dem Schleswig-Holsteinischen Generalverein in Kiel gestellt und genehmigt." Darüber berichtete der „Heider Anzeiger". Dieser am 12. Juni 1895 in Meldorf gehaltene Vortrag wurde als Flugschrift durch die Anwaltschaft des „Allgemeinen Verbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften" zu Offenbach am Main herausgegeben.
Bereits drei Monate später, am 17. August 1895, wurde der nächste Antrag auf Urlaub gestellt. Bode wollte zum Allgemeinen Vereinstag deutscher landwirtschaftlicher Genossenschaften in Neustadt an der Haardt reisen, er sollte dort die Landesgenossenschaftskasse zu Hannover ver-treten und einen Vortrag mit dem Titel „Mittel und Pflicht genossenschaftlicher Propaganda" halten. Im nächsten Jahr (1896) sprach Bode in Oldenburg und Posen.
Im September 1895 besuchte Wilhelm Bode den 28. Kongress für Innere Mission in Posen, in des-sen Rahmen eine Teilkonferenz über die „Genossenschaftsfrage" abgehalten würde. Dort kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Der auf der Teilkonferenz referierende Pfarrer Seil billigte nur der Raiffeisenschen Richtung des Genossenschaftswesens christlichen Ursprung zu. Das führte zu Protesten Bodes, der auch für die von ihm vertretene Offenbacher Richtung das Prädikat „raiffeisensch" - und damit christlich - reklamierte. Er wurde in der Versammlung von Geistlichen mit Worten wie „unwahr" und „Lüge" niedergeschrieen.

Ein Jahr später bat der Regierungspräsident in Schleswig Wilhelm Bode, in den größeren Städten der dortigen Provinz Vorträge „über die Bedeutung des Genossenschaftswesens für das Kleinge-werbe" zu halten. Die preußische Staatsregierung förderte damals die Gründung von Kreditgenos-senschaften, um den „schädlichen Einflüssen der Sozialdemokratie" entgegenzuwirken.
Bode beantragte Urlaub für die Zeit vom 24. August bis zum 2. September 1896 und sprach in Altona, Heide, Kiel, Flensburg und Friedrichstadt. Vorher hatte er in Berlin den Präsidenten der neugegründeten Preußischen Central-Genossenschaftskasse, von Huene, aufgesucht, um sich speziell über Handwerkerkreditgenossenschaften zu informieren.
Der Druck dieses Vortrages wurde später vom „Allgemeinen Verband der deutschen landwirthschaftlichen Genossenschaften" in Offenbach abgelehnt, weil das von ihm herausgegebene Blatt, die „Genossenschaftspresse", über ihr „Gebiet, die landwirtschaftlichen Genossenschaften" nicht wesentlich hinausgreifen wollte. Der Regierungspräsident in Schleswig wollte dann für einen Ab-druck in der Zeitschrift „Fürs deutsche Handwerk" sorgen. Dazu kam es nicht. Der Vortrag wurde unter dem Titel „Des Handwerks Noth und Hilfe" auf Kosten der preußischen Regierung in einer Auflage von 24 000 Stück an alle preußischen Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten verteilt. In der Schrift wurde weder Bode als Autor genannt noch die Unterstützung der preußischen Regierung publik gemacht. Das staatliche Interesse an den Genossenschaftsgründungen sollte geheim gehalten werden.

Der Regierungspräsident in Schleswig bedankte sich am 30. Juli 1897 mit einem Schreiben bei Bode: „Euer Hochehrwürden spreche ich ... für die vielfachen Bemühungen, denen Sie sich auch neuerdings wieder namentlich in Berlin im Interesse der Gründung von Handwerkergenossenschaften unterzogen haben, meinen Dank aus."

 

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